Am 3. Oktober 2026 veröffentlichte die österreichische Zeitung Der Standard ein großes Interview mit Dominic Thiem unter der Überschrift „Die Geschäfte eines Frühpensionisten“, also „Die Geschäfte eines Frühpensionisten“. Die Ironie des Titels ist offensichtlich: Thiem beendete seine Karriere im Herbst 2024, doch nach seinem heutigen Zeitplan würde man ihn kaum als Pensionisten bezeichnen. Seit Februar 2026 ist er Markenbotschafter für Samsung Österreich, parallel betreut er junge Tennisspieler in der Thiem Academy Burgenland, und im Gespräch mit den Journalisten sprach er ausführlich über seine Geschäftsprojekte, Investitionen und darüber, wie sich sein Alltag verändert hat.
Technologie, Schlaf und Schokolade
Die Partnerschaft mit Samsung Österreich wurde offiziell am 23. Februar 2026 in einer Unternehmensmitteilung bekanntgegeben. Darin werden drei Themen genannt, auf die sich Thiem in der Zusammenarbeit konzentriert: technologische Leistungsfähigkeit, Fitness und das Tracking des Wohlbefindens, Nachhaltigkeit. Samsung betont, dass Thiem die inhaltliche Gestaltung der Initiative selbst mitprägt und nicht nur als Gesicht der Kampagne auftritt.
„Technologie kann das Leben wirklich verändern, nicht nur im Sport, sondern auch im Alltag. Ich freue mich über die Zusammenarbeit mit einem starken Partner Samsung Österreich“. Dominic Thiem, Samsung Newsroom Österreichapi.tennis
Wie Technologie den Alltag verändert, kann Thiem aus eigener Erfahrung erzählen. Im Interview mit Der Standard beschrieb er den Rhythmus, den er nach dem Rückzug aus der Tour entwickelt hat: ein Spaziergang direkt nach dem Aufstehen, ein fester Schlafrhythmus, kein Kaffee nach 15:00 Uhr und keine Desserts am Abend. Die letzten beiden Regeln, so sagte er, habe ihm das Tracking eines Wearables nahegelegt: „Nach 15:00 Uhr, kein Kaffee und keine Desserts zum Abendessen: Das habe ich durch das Schlaftracking auf der Smartwatch verstanden“.
Auch bei der Ernährung hat der ehemalige Weltranglistendritte seinen eigenen Ansatz, ohne Askese und mit offenem Bekenntnis zu seinen Schwächen.
„Ich fühle mich mit der 80/20-Formel wohl… Ich liebe Süßes, besonders Schokolade“. Dominic Thiem, Interview mit Der Standardapi.tennis
Eine Akademie, in der er Mentor ist und sein Vater Direktor
Der zweite große Teil seines aktuellen Lebens ist die Thiem Academy Burgenland in Oberpullendorf. Auf der Website der Akademie ist Thiem als Mentor & Ambassador aufgeführt, sportlicher Direktor und Leiter ist sein Vater Wolfgang Thiem. Die Akademie setzt auf den „doppelten Bildungsweg“: Gemeinsam mit dem BSSM Oberschützen verbindet sie sportliche Ausbildung und Schule.
Der neue Name und die neue Kooperation wurden im Juli 2025 bekanntgegeben, darüber informierte die Landesregierung des Burgenlands. In der Mitteilung wurde betont, dass Thiem dem Projekt seinen Namen gibt und zugleich als aktiver Mentor arbeitet, als Impulsgeber für den Sport. Auf der Website der Akademie beschreibt er seine Rolle selbst so:
„I have experienced so much through tennis, and now it is time to give something back“. Dominic Thiem, offizielle Website der Thiem Academy Burgenlandapi.tennis
Energie, Brillen und Start-ups
Thiems geschäftliches Portfolio ist, wie Der Standard berichtet, deutlich breiter als nur das Sportthema. Gemeinsam mit seinem Bruder Moritz und der Solah GmbH hat er Thiem Energy gegründet, eine Bürgerenergiegemeinschaft. Auf der offiziellen Website des Projekts wird das Modell als Bürgerenergiegemeinschaft beschrieben: Überschüsse aus „grüner“ Produktion werden direkt unter den Teilnehmern verteilt.
Thiem hat auch ein Projekt aus der Modewelt: die Brillenlinie THIEM VIEW, die er gemeinsam mit der österreichischen Optikerkette Optik Wutscher entwickelt. Die neue Kollektion wurde am 25. Juni 2026 im Flagship-Store der Kette in Wien vorgestellt.
Als Investor nennt er Anteile an drei Unternehmen: NEOH, das Functional Snacks produziert, die Sport-Investmentplattform Fantium und ScorePlay, Entwickler digitaler Tools für Sportinhalte. Neben den neuen Projekten sind auch langjährige Werbepartner geblieben: Neben Samsung hält Thiem weiterhin Verträge mit Red Bull, adidas und BMW. Das bestätigen auch seine offiziellen Kanäle.
Der Weg zum Abschied
Die wichtigste Seite in Thiems Tennisbiografie bleibt die US Open 2020. Im Finale lag er gegen Alexander Zverev mit 0:2 Sätzen zurück und gewann dennoch. Ein solches Comeback im Endspiel der US Open hatte es seit 1949 nicht mehr gegeben. Seine beste Platzierung, Rang drei der Weltrangliste, erreichte Thiem am 2. März 2020. In seiner Bilanz stehen 17 ATP-Titel und drei weitere Finalteilnahmen bei Grand-Slam-Turnieren. Sein größter Masters-Titel gelang ihm 2019 in Indian Wells, als er im Finale Roger Federer besiegte.
Der Wendepunkt in seiner Karriere kam im Juni 2021, als Thiem sich das rechte Handgelenk schwer verletzte. Zur alten Form fand er nie wieder zurück. Im Mai 2024 kündigte er an, am Ende der Saison zurückzutreten. Im Interview mit Der Standard erinnert er sich, dass er die Entscheidung innerlich schon früher getroffen hatte: „Die Entscheidung, aufzuhören, habe ich zu Beginn des Jahres getroffen, ich hatte ein halbes Jahr Zeit, mich vorzubereiten“.
Sein letztes offizielles Match bestritt Thiem am 22. Oktober 2024 zu Hause bei den Erste Bank Open in Wien und verlor gegen Luciano Darderi mit 6:7(6), 2:6. Die ATP und das Turnier bereiteten ihm eine Abschiedszeremonie unter dem Motto „One last dance!“ sowie einen Show-Satz gegen Alexander Zverev, jenen Gegner aus dem Finale in New York. Nach der Partie sprach Thiem mit BBC Sport über gemischte Gefühle.
„Those emotions… will never come back. It hurts. But… it was the right decision“. Dominic Thiem, BBC Sportapi.tennis
In diesen Worten mischte sich Wehmut mit Dankbarkeit: „I’ve had so many nice goodbyes… The whole journey has been an absolute dream“, sagte er damals ebenfalls gegenüber BBC Sport. Roger Federer, schrieb BBC Sport, gratulierte Thiem zu seiner glänzenden Karriere und hob seinen starken Rückhand-Schlag und seine sportliche Größe hervor.
„Chelsea“, Koala und ein Buch über die besten Momente
Abseits von Geschäft und Tennis hat Thiem alte Verbundenheiten. Eine davon ist Chelsea. Seit 2004 ist er Fan des Londoner Klubs und war schon im Stamford Bridge. Der offiziellen Website des Vereins sagte er: „The connection to the club is super important to me. I’ve been a fan since 2004“.
Eine andere Geschichte verbindet ihn mit dem Wiener Tiergarten Schönbrunn. Nach Angaben der Pressestelle des Zoos war Thiem 2016 Pate einer männlichen Riesenameisenbär-Dame, 2020 übernahm er die Patenschaft für ein Koala-Jungtier. Seine besten Tennisjahre hat er in dem Bildband „My Greatest Moments“ gesammelt, der in seinem offiziellen Onlineshop erhältlich ist.
Was die Partner sagen und was vor ihm liegt
Samsung Österreich bezeichnete Thiem in der Pressemitteilung als passenden und bereichernden Partner, um Innovation und nachhaltige Entwicklung zu fördern. Im Burgenland sieht man die Akademie als Anlage für die Zukunft. Sportlandesrat Heinrich Dorner nennt sie ein Pilotprojekt und ein Instrument, das den Status des Burgenlands als Sportland Nummer eins stärken soll: „Die Tennisakademie Burgenland ist ein Pilotprojekt… ein Beitrag zur Zukunft des Spitzensports in unserem Land“. Der Generaldirektor von Sport Burgenland, Anton Bereczki, spricht über die Rolle der Akademie als „Start-up“, das der Region hilft, ihre Ziele im Sport zu erreichen.
Thiems nächstes Treffen mit den Fans findet dort statt, wo er sich vom Court verabschiedet hat. Für den 24. und 25. Oktober 2026 sind bei den Erste Bank Open in Wien das Opening Weekend und der Super Fan Day with Dominic Thiem geplant. Auf dem Programm stehen eine Autogrammstunde, ein Retro-Game, Ballflug und die Verlosung eines Trainings mit Thiem auf dem Center Court. Fast zwei Jahre nach seinem letzten Match wird er erneut auf dem Wiener Center Court stehen, diesmal für jene, die ein Autogramm wollen.
